{"id":468,"date":"2020-10-07T17:16:48","date_gmt":"2020-10-07T16:16:48","guid":{"rendered":"https:\/\/lussia.ch\/?p=468"},"modified":"2020-10-07T17:22:25","modified_gmt":"2020-10-07T16:22:25","slug":"leseprobe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lussia.ch\/?p=468","title":{"rendered":"Die Goldenen und die Glocke am Ende der Zeit &#8211; Leseprobe"},"content":{"rendered":"\n<h4>Der Traum<\/h4>\n\n\n\n<h3><\/h3>\n\n\n\n<p>Als ich erwachte, ersp\u00fcrte ich mein virtuelles Ego, wie es zusammengekr\u00fcmmt vor dem Eingang lag. Die Erinnerung an die Ereignisse der vergangenen Nacht kam im Nu zur\u00fcck. Ich rappelte mich auf und ging auf die Pforte meines eigenen Unbewussten zu, die leicht angelehnt war. In meiner Erinnerung stieg eine wundersch\u00f6ne Musik auf und sie verblasste ebenso rasch. Gleichzeitig h\u00f6rte ich ged\u00e4mpfte Worte zu mir her\u00fcberklingen, m\u00f6glicherweise etwas abgeschw\u00e4cht, da ich zu \u00e4ngstlich gewesen war, ihnen in meinen eigenen Tr\u00e4umen bewusst gegen\u00fcber zu treten. Ich \u00f6ffnete die T\u00fcr ganz und stellte fest, dass viele seltsam anmutende Personen brav auf ihren St\u00fchlen sassen. Alle waren sie dem leeren Podium eines Erz\u00e4hlers zugedreht und warteten offenbar darauf, dass er jeden Moment auf der B\u00fchne erscheint. Wie verdichtete und zusammengepresste Tr\u00e4ume waren sie in gazeartige Nebelschleier geh\u00fcllt. Zudem schienen sie ziemlich bewegungslos, schliefen wom\u00f6glich jenen tiefen Schlaf, aus dem ich gerade erwacht war. Als sich meine Augen auf das geistige Zwielicht in meiner Gedankenwelt eingestellt hatten, ver\u00e4nderten sich auch die Gestalten. Pl\u00f6tzlich erschienen sie mir wie in enge Bandagen gepackt, ein dichtes, weisses Gewebe, das von der sicheren Hand meines Kontrollbewusstseins erfolgreich zusammengehalten wurde. &#8222;Das sind keine Leichen&#8220;, sagte die Stimme in meinem Kopf. Es waren dicke Lagen von Gespinsten, von denen ich zun\u00e4chst glaubte, dass sie meinen gesamten Traum einh\u00fcllten. Da wurde es mir pl\u00f6tzlich klar: Es waren meine eigenen Gedanken, tief in ihre St\u00fchle gepresst und alle dem leeren Sitz des Erz\u00e4hlers zugedreht, den sie aber nirgends sehen konnten &#8211; denn ich stand ja hinter ihnen. Als sie sich im Traum zu mir umdrehten, sah ich, dass jeder der nebligen Kokons eine Gestalt aus meiner Erinnerung darstellte. Ich sah auch, dass sie keine Gesichter hatten. Es waren offensichtlich meine Augen, die sie benutzten. Deshalb sah ich durch sie hindurch nur auf meine eigenen Geschichten zur\u00fcck, allesamt verdr\u00e4ngte Gesichter aus dem Fond meiner Erinnerungen, die irgendwie ausgel\u00f6scht oder im Reich der Verdr\u00e4ngung abgetaucht erschienen: starrend durch depressive Leere auf mein inneres Nichts. Da! Am Ende der Reihe im hinteren Bereich meines Gesichtsfeldes regte sich eine der vermummten Gestalten pl\u00f6tzlich auf ihrem Stuhl. Als ich auf sie zuging und mir dabei ungeformte Gedanken durch den Kopf gingen, bemerkte ich, dass ihre geschlossenen Augenlider pl\u00f6tzlich aufsprangen und ein ungezielter Blick sich nach einigem Umhertasten auf mich richtete. &#8222;Wer sind Sie?&#8220;, fragte ich sie. &#8222;Sie sind die einzige Person, die mich hier sieht.&#8220; &#8222;Keine Ursache&#8220;, h\u00f6rte ich sie wie durch einen dichten Nebel sagen. &#8222;Ich bin Ihr eigenes Ungesehenes, welches sich in diesem Moment in Ihnen erkennt.&#8220; &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Traum Als ich erwachte, ersp\u00fcrte ich mein virtuelles Ego, wie es zusammengekr\u00fcmmt vor dem Eingang lag. Die Erinnerung an die Ereignisse der vergangenen Nacht kam im Nu zur\u00fcck. Ich rappelte mich auf und ging auf die Pforte meines eigenen <a class=\"more-link\" href=\"https:\/\/lussia.ch\/?p=468\">weiterlesen&#8230;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/468"}],"collection":[{"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=468"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":472,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/468\/revisions\/472"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lussia.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}